„Missen möchte ich die Zeit in Nicaragua auf gar keinen Fall“
Wenn du dich zurück erinnerst, Maja, wie ging es dir, als du vor über einem Jahr aufgebrochen bist in ein Land, das du nicht kanntest?
Mein Spanisch war in Ordnung, viel Ahnung über Nicaragua hatte ich nicht. So kam ich zum Vorbereitungsseminar in Berlin. Das Abitur frisch bestanden, noch wunde Füße vom Tanzen auf dem Abi-Ball, und schon sollte ich zumindest in Gedanken in einer neuen Welt sein: in Nicaragua. Mit den Vorträgen und Gesprächen über das Land und seine Gewohnheiten, über Konfliktprävention, Kulturschock, Gender und vieles mehr wurde ich gut vorbereitet. Wir waren die ersten Freiwilligen dort, daher gab es keine Erfahrungsberichte von anderen. So konnte ich mit Tatjana (der zweiten weltwärts-Freiwilligen; Anm. d. Red.) ohne Vorurteile und mit viel Ungewissheit am 1. September 2009 meine Reise über den Ozean beginnen.
Wie war es dann, als du in Boaco angekommen bist?
Gleich die erste Nacht habe ich bei unserer Gastfamilie verbracht. Die Familie bestand, uns mit eingerechnet, aus 17 Personen, die alle unter einem Dach lebten, Hunde, Katzen und Hühner nicht mitgezählt. Besuch gab es eigentlich auch immer. Kopf der Familie war Do?a Tina, die Großmutter. Sie wickelte alle Geschäfte der Familie ab. Sie bestimmte, was gekocht wurde und wann es eine Feier gab. Und sie hatte für jeden und jedes noch so kleine Problem stets ein offenes Ohr. Die Familie war von Anfang an sehr nett zu mir. Ich habe mich schnell eingelebt, war nie einsam und hörte gerne den Geschichten zu, die jedes einzelne Familienmitglied über sein Leben und das Land zu erzählen wusste.
Das hört sich ja sehr gut an. Verlief deine Ankunft bei ADM genauso?
Ja! Auch bei ADM sind wir mit offenen Armen aufgenommen worden. Gleich am ersten Tag stellten die Kollegen von ADM ihre Arbeit vor. Und anfangs waren wir bei vielen verschiedenen Aktivitäten dabei, um die Arbeit von ADM kennenzulernen und später unseren eigenen Platz zu finden.
Dein Projekt war ja ein Jugendprojekt. Wie hast du die Jugendlichen denn erlebt?
Ich finde, dass die Jugend in Boaco sehr engagiert ist. Mittlerweile gibt es im Munizip 25 Jugendgruppen, die sich regelmäßig treffen und aus ihren, meist ländlichen Regionen gewählte Vertreter nach Boaco schicken. Im Rahmen des Programms zur Jugendförderung von AWO International und ADM fand im Oktober 2009 auf dem Kirchplatz von Boaco ein Jugendfest statt, bei dem wir schon mithelfen konnten. In einem Künstlerwettbewerb traten die Jugendgruppen vor mehr als 400 Zuschauern in den Kategorien Tanz, Theater und Gesang gegeneinander an. Das Ganze war ein voller Erfolg. Viele Jugendlichen hatten zum ersten Mal in ihrem Leben die Möglichkeit, ihr Können zu zeigen. Dadurch wurde ihr Selbstvertrauen enorm gestärkt. Und das ist gut, weil sie sich den Jugendlichen in der Stadt oft unterlegen fühlen.
Und später, wie ging es dir da bei ADM? Was hast du dort gemacht?
Mein Spanisch wurde immer besser. Deshalb konnte ich für die ADM-Homepage ein paar Artikel schreiben… Spannend wurde es im März, als wir ein dreitägiges Jugendtreffen organisiert haben. Aus jedem der sechs Munizipien kamen 20 Jugendliche nach Boaco. Das war sehr viel Arbeit. Bei dem Treffen ging es um den Austausch über Themen wie das Jugendgesetz 392 erklären, Sexualität, Gesundheit, Bildung und Umweltschutz. Und in den letzten Wochen haben wir eine Fotopräsentation über die Arbeit von ADM gemacht. Auch das war viel Arbeit, doch wir hatten endlich die Möglichkeit, die Arbeit der Organisation in den anderen Munizipien mitzuerleben. Dabei wurde mir bewusst, wie vielseitig die Arbeit von ADM ist.
Und deine Rückkehr? Ist dir der Abschied leicht gefallen?
Bei meinem Abschied hatte ich sehr gemischte Gefühle. Einerseits werde ich all die netten Menschen, die ich in Boaco kennengelernt habe, die Familie, die Wärme und vieles mehr vermissen. Andererseits ist ein Jahr schon eine lange Zeit, und ich war froh, meine Familie und Freunde in Deutschland endlich wiederzusehen.
Kannst du jungen Menschen empfehlen, mit weltwärts ein Jahr im Ausland zu verbringen?
Auf jeden Fall! Für mich war dieses Jahr eine sehr positive und interessante Erfahrung. Die Entscheidung, einen derartigen Dienst zu verrichten, würde ich jederzeit wieder treffen. Ich denke, auch für die Zukunft ist es sehr hilfreich, sich einer anderen Lebensart und Kultur anpassen zu können. Bis ich all die Erlebnisse verarbeitet habe, wird wohl auch noch einige








